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Selbst gemacht
Kapitel 3 · Sicherheit

Sicherheit und Schutzausrüstung

Schutz ist der Teil, den man am liebsten überspringt. Wer ihn ernst nimmt, schützt Augen, Hände, Gehör und Atemwege, und im Extremfall das eigene Leben.

Orientierung

Auf einen Blick

Mindestausstattung
Schutzbrille, Gehörschutz, FFP2 oder FFP3, Schutzhandschuhe, feste geschlossene Schuhe
Gehörschutz
Ab etwa einer Minute lauter Arbeit
Atemschutz
FFP2 für Staub, FFP3 bei älteren Gebäuden
Notruf
112 für Rettungsdienst und Feuerwehr, 110 für die Polizei, 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst
Fachbetrieb
Strom, Gas, Asbest und andere Schadstoffe
KI-generiert: Ein Heimwerker mit Schutzbrille, Gehörschutz und Maske zeigt den Daumen hoch, daneben ein Mann in Flip-Flops an der Flex
Schutzbrille, Gehörschutz, Handschuhe, feste Schuhe – und dann darf die Flex laufen. Flip-Flops nicht.
Worum es geht

Die Verletzungen, die wirklich passieren

Die meisten Verletzungen beim Heimwerken entstehen nicht durch große Fehler, sondern durch Alltägliches: der Hammer auf dem Finger, ein Splitter im Auge, ein Kabel, das angefasst wird, obwohl man glaubte, der Strom sei aus. Schutzkleidung und Brille kosten im Vergleich zu einer Verletzung wenig.

Viele Unfälle dieser Art gehen auf eine Abkürzung zurück, die man sich im Moment erlaubt. Die Maschine läuft nur ein paar Sekunden, die Brille ist im Keller, der Sicherungsautomat ist bestimmt der richtige. Genau in diesen Momenten entsteht der Schaden.

Dieses Kapitel verbietet nichts aus Prinzip. Es sortiert, was für welche Arbeit wirklich nötig ist, welche Verletzungen am häufigsten passieren und wo die Grenze zum Fachbetrieb verläuft. Bei Strom und Schadstoffen bleibt ein Fehler oft dauerhaft, deshalb wird es dort besonders ernst.

Nach diesem Kapitel

Was du in diesem Kapitel lernst

Ausrüstung

Die Schutzausrüstung

Schutzbrille

Immer dann, wenn etwas ins Auge fliegen kann: beim Bohren über Kopfhöhe, beim Sägen, Schleifen, Hämmern in Beton und bei jeder Arbeit mit chemischen Mitteln. Viele Brillen liegen ungenutzt im Kasten, weil sie drücken oder beschlagen. Kauf eine Brille, die gut passt und eine Anti-Beschlag-Beschichtung hat. Dann setzt du sie auch wirklich auf.

Gehörschutz

Stichsäge, Akkuschrauber unter Volllast und Schlagbohrmaschine im Dauerbetrieb schädigen das Gehör auf Dauer. Bügel-Gehörschützer oder passende Stöpsel reichen. Setz sie auf, sobald du länger als eine Minute etwas Lautes machst.

Atemschutz

Schleifen, Verputzen, Spachteln und Streichen mit lösungsmittelhaltigen Lacken braucht Atemschutz. Für Staub reicht eine FFP2-Maske, bei älteren Gebäuden ist FFP3 die bessere Wahl. Bei Lösungsmitteln hilft eine Maske mit Aktivkohlefilter, und die Angaben auf dem Produkt sind maßgeblich. Atemschutz macht Staubarbeiten sicherer, aber er macht das Entfernen gefährlicher Materialien nicht zur Eigenleistung.

Handschuhe und Schuhe

Ein Arbeitshandschuh muss passen: Ist er zu groß, verfängt er sich in der Maschine, ist er zu klein, schneidet er ein. Bei rotierenden Maschinen wie dem Akkuschrauber im Bohrmodus oder der Stichsäge ziehst du Stoffhandschuhe aus, sie können den Bohrer packen. Feste, geschlossene Schuhe sind Pflicht. Sandalen, Flipflops und dünne Hausschuhe sind beim Werken tabu.

Ein Knieschoner schützt bei Boden- und Sockelarbeiten die Gelenke. Ein Bauhelm gehört dazu, wenn du unter abgehängten Decken arbeitest, von oben demontierst oder auf dem Dach zu tun hast.

KI-generiert: Ein Mann reicht eine Schutzbrille und Gehörschützer an eine Frau mit Helm und Bohrmaschine
Eine Taucherbrille ist auch eine Brille – aber nicht die richtige.
Vorbeugen

Häufige Verletzungen, leicht vermieden

Hammer auf den Daumen

Der Klassiker passiert, wenn du den Nagel mit einer Hand hältst und mit der anderen zuschlägst. Halte den Nagel zu Beginn locker zwischen Daumen und Zeigefinger, schlage kurz und kontrolliert und lass los, sobald der Nagel steht. Ein Nagelhalter aus Kunststoff oder Metall hält die Finger aus dem Schlagbereich und kostet wenig.

Schnitte am Cuttermesser

Schneide immer von dir weg. Wechsle die Klinge regelmäßig, denn eine scharfe Klinge ist sicherer als eine stumpfe. Das Werkstück hältst du mit Klemmen oder mit der anderen Hand außerhalb der Schnittlinie, nicht direkt daneben.

Rücken

Diese Belastung trifft viele Heimwerker auf Dauer am stärksten. Heb mit den Beinen, nicht mit dem Rücken. Ist etwas zu schwer, hol dir eine zweite Person. Eine Waschmaschine allein zu versetzen oder eine schwere Platte über eine lange Strecke zu tragen, ist kein Heldenstück.

Stromschlag

Der Stromschlag ist die schlimmste Verletzung im Heimwerkeralltag, weil er oft dauerhafte Folgen hat. Strom siehst du den Leitungen nicht an. Deshalb gilt: erst abschalten, dann prüfen, dann arbeiten.

Strom und Altbau

Abschalten, prüfen, dann arbeiten

Den passenden Sicherungsautomaten schaltest du ab und sicherst ihn gegen Wiedereinschalten, etwa mit einem Klebezettel oder einer Sperre. Danach prüfst du mit dem Phasenprüfer an der Leitung selbst. Ein Schalter im selben Raum ist kein Ersatz, denn er trennt vielleicht den falschen Stromkreis. Die Beschriftung im Verteilerkasten stimmt in älteren Häusern oft nicht mehr. Verlass dich nicht darauf.

Ein typisches Beispiel, erfunden und trotzdem alltäglich: Ein Hausbesitzer wollte im Bad Spots einbauen. Die Beschriftung stimmte nicht mehr, er schaltete den falschen Automaten ab, und eine Leitung blieb unter Spannung. Die Lehre lautet: Phasenprüfer benutzen, immer, und nie der Beschriftung allein vertrauen.

In einem Haus aus der Zeit vor etwa 1995 lässt du vor dem Entfernen von Bodenbelägen, Platten, Fugen, Dämmung oder alten Anstrichen einen Schadstoff-Check machen. Asbest, alte Mineralwolle, PCB in Fugen und Blei in Altanstrichen können bei der Arbeit Gesundheitsschäden verursachen. Eine Maske allein macht das nicht harmlos.

Vor jeder Arbeit lohnt sich außerdem eine kurze Checkliste im Kopf:

Für Leitern gilt: Nie auf rutschigen oder unebenen Boden stellen, nie auf der obersten Sprosse stehen und sich nicht seitlich weit herauslehnen. Für längere Arbeiten in der Höhe ist eine Stehleiter mit Plattform oder ein ausgeliehenes Rollgerüst besser als eine Anlegeleiter.

Im Notfall gilt die 112 für Rettungsdienst und Feuerwehr, bei Stromunfällen ebenso. Bei einem Stromunfall schaltest du zuerst den Strom ab, erst dann hilfst du. Schreib dir die 112 gut sichtbar in die Werkstatt.

Die Grenze

Hier hört Selbermachen aufArbeiten an Strom, Sicherungskasten und Leitungen in Wänden und Decken gehören zu einem Elektrofachbetrieb. Asbest brichst du nie selbst heraus. Bei Verdacht beauftragst du einen Fachbetrieb mit Sachkunde, auch wenn du nur eine Wand demontieren willst. Dieses Kapitel gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.
Leseprobe

Aus dem Kapitel

Dieses Kapitel klingt nach dem Teil, den man am liebsten überspringt. Bitte tu das nicht. Hier geht es um Augen, Finger, Gehör, Atemwege und im Extremfall um dein Leben. Die meisten Verletzungen beim Heimwerken entstehen nicht durch große Fehler, sondern durch Alltägliches: der Hammer auf dem Daumen, ein Splitter im Auge, ein Kabel, das angefasst wird, obwohl man glaubte, der Strom sei aus.

Ein typisches Beispiel

Ein Heimwerker wollte eine festgerostete Schraubenmutter mit einer kleinen Handflex trennen. Eine Schutzbrille hatte er nicht auf, weil es nur kurz gehen sollte. Ein Funke flog ins Auge. Er lag danach mehrere Tage im Krankenhaus und hatte kurz Angst, sein Augenlicht zu verlieren. Die Maschine war nur wenige Sekunden im Einsatz. Eine Schutzbrille kostet einen Bruchteil davon.

Solche Geschichten gibt es auf jeder Baustelle. Es sind meist keine Pechfälle, sondern kleine Abkürzungen.

Häufige Fragen

Fragen zu diesem Kapitel

Reicht eine einfache Staubmaske?

Für Staub reicht eine FFP2-Maske. Bei älteren Gebäuden ist eine FFP3-Maske die bessere Wahl, weil sie auch feinste Partikel zurückhält. Bei Lösungsmitteln brauchst du eine Maske mit Aktivkohlefilter, und die Angaben auf dem Produkt sind maßgeblich.

Was mache ich bei einem Stromunfall?

Zuerst schaltest du den Strom ab, erst dann hilfst du. Bei lebensbedrohlichen Verletzungen wählst du die 112. Die Polizei erreichst du unter 110, der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter 116 117 erreichbar.

Darf ich Asbest selbst entfernen?

Nein. Asbest brichst du nie selbst heraus. Bei Verdacht beauftragst du einen Fachbetrieb mit Sachkunde. Eine Schutzmaske macht die Arbeit nicht harmlos.

Brauche ich wirklich einen Feuerlöscher?

Bei Arbeiten mit Heißluftföhn, Lötgeräten oder Lösungsmitteln ist ein Löscher Pflicht. Ein Pulverlöscher ABC ist für den Haushalt eine übliche Wahl. Bei Strombränden ziehst du zuerst den Stecker oder schaltest die Sicherung ab, dann löschst du.

Wie steige ich sicher auf eine Leiter?

Stell die Leiter auf festen, ebenen Boden, steh nie auf der obersten Sprosse und lehn dich nicht seitlich weit heraus. Steig herunter und stell die Leiter neu auf. Bei längeren Arbeiten ist eine Stehleiter mit Plattform meist besser.

Wer Werkzeug sucht, findet in Kapitel 2 die Grundausstattung. Für den Brandschutz im Haus lohnt Kapitel 18, und bei Demontagen gelten die Hinweise in Kapitel 19.

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