Direkt zum Inhalt
Selbst gemacht
Kapitel 4 · Wand & Decke

Wand und Decke streichen und tapezieren

Wände streichen klingt nach der leichtesten Übung im Heimwerkerjahr. Das Ergebnis entscheidet sich aber vorher: beim Abkleben, beim Untergrund und bei der Rolle.

Orientierung

Auf einen Blick

Schwierigkeit
2 von 5
Zeitaufwand
Ein Wochenende für einen Raum, ohne Trockenzeiten
Kosten
Ca. 100 bis 250 Euro Material (Richtwert, Stand November 2026, je nach Farbe und Tapete)
Werkzeug
Rolle, Pinsel, Farbwanne, Malervlies, Maler-Kreppband, Spachtel, Schleifpapier
Fachbetrieb nötig
Nein, außer bei großflächigem oder wiederkehrendem Schimmel
KI-generiert: Ein Mann mit Latzhose rollt Klebeband ab, während sein Gegenüber vollständig damit umwickelt ist
Abkleben ist wichtig. Man kann es aber auch übertreiben.
Worum es geht

Warum das Ergebnis enttäuscht

Eine gestrichene Wand sieht man jeden Tag. Ein Fleck, der durch die Farbe schimmert, oder ein Streifen von einer Trockenkante fällt sofort auf, sobald Licht schräg einfällt. Die typischen Fehler sind schnell aufgezählt: Der Untergrund wurde nicht vorbereitet, die Farbe passt nicht zum Raum, und die Rolle war zu nass oder zu trocken.

Im Altbau kommt die Schadstofffrage dazu. In Gebäuden vor etwa 1980 kann alter Anstrich Blei enthalten, und Schleifen erzeugt Bleistaub, der für Kinder besonders gefährlich ist. Wer alte Schichten entfernen will, lässt sie vorher prüfen.

Tapezieren ist eine eigene Fertigkeit, die sich mit jeder Bahn verbessert. Die erste Bahn wird selten perfekt, die dritte schon deutlich besser. Wichtig ist, dass du dir die Reihenfolge vorher überlegst, denn Fehler beim Zuschnitt lassen sich später nicht mehr zurückholen.

Nach diesem Kapitel

Was du in diesem Kapitel lernst

Schritt eins

Vorbereitung und Untergrund

Die Vorbereitung braucht die meiste Zeit und entscheidet über das Ergebnis. Beim ersten Raum solltest du das ganze Wochenende einplanen, danach geht es routinierter.

  1. Möbel in die Mitte rücken und mit Folie oder alten Laken abdecken.
  2. Den Boden mit Malervlies auslegen. Es ist dicker als Plastikfolie, rutscht nicht und nimmt Tropfen auf.
  3. Steckdosen, Schalter und Heizungsventile mit feinkantigem Kreppband abkleben. Billiges Band reißt beim Abziehen frische Farbe mit oder lässt sie darunter laufen.
  4. Lampen nicht vom Anschluss lösen. Schirm und Abdeckung darfst du abnehmen, den Anschluss macht der Elektrofachbetrieb.

Haarrisse, die nur die Oberfläche betreffen, spachtelst du einfach zu. Tiefe Risse, die durch die ganze Wand gehen, können auf Setzungen im Gebäude hindeuten. Dann lässt du einen Fachmann draufschauen. Löcher von alten Dübeln füllst du mit Reparaturspachtel und arbeitest in zwei Durchgängen: grob füllen, trocknen lassen, fein nachspachteln und schleifen.

Wasserränder, Nikotin- oder Stockflecken schimmern durch jeden normalen Anstrich wieder durch. Dagegen hilft eine Sperrgrundierung, die die Verfärbung abriegelt. Vor dem ersten Farbauftrag ist sie eine der besten Investitionen überhaupt.

Oberflächlicher Schimmel auf einer trockenen Wand lässt sich selbst entfernen, bei kleinen Flächen bis etwa einen halben Quadratmeter, so nennt es das Umweltbundesamt als grobe Richtgröße. Du arbeitest mit Wasser und Spülmittel, Handschuhen und Atemschutz. Schimmelmittel mischst du nie mit anderen Reinigern, schon gar nicht mit chlorhaltigen. Kommt der Schimmel immer wieder, steckt meist ein Feuchteproblem dahinter. Dann braucht es eine Fachfirma.

Wenn die Wand viele kleine Dellen hat, hilft dünner Glättputz oder Spachtelmasse, mit der Glättkelle von oben nach unten aufgezogen. Nach dem Trocknen mit Körnung 120 leicht schleifen. Pulverspachtel ist günstiger, pastöse Masse sofort startklar. Bevor du streichst, muss die Wand staubfrei sein.

Schritt zwei

Farbe, Reihenfolge und Werkzeug

Für die meisten Räume reichen zwei Arten. Innendispersion ist für Wohn-, Schlaf- und Flurräume gedacht. Latex- oder Feuchtraumfarbe ist abwaschbar und schimmelresistent und im Bad zwingend. Die Deckkraft steht auf dem Eimer, Klasse 1 deckt am besten. Die Ergiebigkeit liegt grob bei einem Liter für acht bis zehn Quadratmeter, und meist brauchst du zwei Anstriche. Lieber etwas mehr kaufen: Ein verschlossener Rest hilft bei Ausbesserungen.

Weiß hellt den Raum auf. Wenn du eine Akzentfarbe willst, streichst du nur eine Wand, denn vier Wände in einem starken Ton wirken schnell erdrückend. Dezente Töne wie Beige, Greige oder zartes Salbei altern gut.

Für das Streichen brauchst du eine Rolle mit Wechselbügel, zwei Walzen (kurzer Flor für glatte Wände, langer für strukturierte Tapeten), einen flachen Pinsel für Ecken und einen kleinen für Details, eine Farbwanne mit Auspresseinsatz und einen Teleskopstiel.

KI-generiert: Ein Maler auf der Leiter lässt Farbe auf ein Sofa tropfen, eine Katze läuft vorbei, am Boden liegt Abklebeband
Erst abdecken, dann streichen – sonst hat am Ende das Sofa mitgestrichen.

Streich immer in dieser Reihenfolge: Decke, Wände, Sockelleisten, Türen und Fenster. So fallen Spritzer von oben auf Flächen, die ohnehin noch gestrichen werden. Zuerst ziehst du mit dem Pinsel die Übergänge vor, dann nimmst du die Rolle für die Fläche. Arbeite nass in nass, sonst entstehen Trockenkanten, die später als Streifen sichtbar sind.

Die Rolle soll gleichmäßig getränkt sein. Drück sie an der Riffelung der Wanne aus: Zu wenig Farbe schmiert, zu viel tropft. Für den zweiten Anstrich wartest du so lange, wie der Hersteller angibt. Ein Schräglicht von der Seite zeigt Stellen, die noch nicht gedeckt sind.

Tapete

Tapezieren, Bahn für Bahn

Für Einsteiger ist Vliestapete die beste Wahl. Sie reißt nicht so leicht und verzeiht beim Anbringen mehr. Papiertapete ist klassisch für glatte Wände, Vinyltapete ist wasserabweisend und passt in Bad und Küche.

Die alte Tapete weichst du mit Wasser und Schwamm auf, ziehst sie mit dem breiten Spachtel ab und streichst die Wand danach mit Tapeten-Grundierung vor. Sonst saugt der frische Kleister ungleichmäßig ein. Miss die Wandhöhe und gib oben und unten je etwa fünf Zentimeter Zugabe dazu. Hat die Tapete ein Muster, prüfst du den Rapport, also den Abstand der Wiederholung, bevor du alle Bahnen schneidest. Lege die erste Bahn an und schau, ob das Muster an die zweite anschließt.

Bei Vliestapete streichst du den Kleister auf die Wand, nicht auf die Tapete. Die erste Bahn richtest du mit der Wasserwaage senkrecht aus und streichst sie von oben nach unten glatt. Innenecken bekommst du selten in einer Bahn hin, weil keine Wand hundertprozentig senkrecht steht. Lass die Bahn etwa zwei Zentimeter um die Ecke laufen und setz die nächste knapp daneben.

Luftblasen entstehen, wenn du zu schnell anbringst. Streich sofort von der Mitte nach außen. Bleibt Luft drin, stichst du vorsichtig mit einer Nadel ein, solange die Tapete noch feucht ist. Kleister auf der Oberfläche wischst du direkt mit einem feuchten Schwamm ab, sonst wird er nach dem Trocknen zur matten Stelle.

Die Grenze

Hier hört Selbermachen aufGroßflächiger oder wiederkehrender Schimmel ist Fachsache, weil dahinter oft ein Feuchteproblem steckt. Bleihaltige Altanstriche, Asbest und PCB entfernst du nicht selbst. Lampenanschlüsse macht der Elektrofachbetrieb. Ob du in einer Mietwohnung streichen oder tapezieren darfst, klärst du vorher mit dem Vermieter.
Kurz gezeigt

Die Szene in Bewegung

Gut gemeint: Wer beim Abkleben übertreibt, klebt am Ende sich selbst ein.
Leseprobe

Aus dem Kapitel

Fast jeder Heimwerker streicht irgendwann eine Wand, viele tapezieren auch. Das klingt einfach, und im Grunde ist es das auch. Trotzdem machen sich viele das Leben schwer, durch typische Fehler: Der Untergrund wird nicht vorbereitet, die Farbe ist falsch gewählt, die Rolle wird zu nass oder zu trocken benutzt. In diesem Kapitel gehe ich die Arbeit in der Reihenfolge durch, in der du sie auch machen würdest: Vorbereitung, Untergrund, Farbe oder Tapete, Anwendung, Aufräumen.

Die Vorbereitung entscheidet über das Ergebnis, lange bevor die erste Farbe an die Wand kommt. Plane für den ersten Raum einen ganzen Samstag und einen halben Sonntag ein. Beim zweiten Raum hast du schon Routine.

Flecken und Verfärbungen

Wasserränder, Nikotinflecken oder Stockflecken schimmern durch einen normalen Anstrich wieder durch. Bevor du streichst, trägst du deshalb eine Sperrgrundierung auf die Verfärbung auf. Sie wirkt wie eine Isolierschicht. Das ist eine der besten Investitionen bei der Vorbereitung, weil die alten Flecken danach nicht mehr durchkommen.

Häufige Fragen

Fragen zu diesem Kapitel

Wie viele Anstriche brauche ich?

In der Regel zwei. Der erste deckt meist noch nicht ganz, gibt aber eine gleichmäßige Grundlage. Bei sehr dunklen Farben unter einem hellen Anstrich ist ein dritter möglich.

Ab wann ist Schimmel Fachsache?

Kleine Flächen bis etwa einen halben Quadratmeter entfernst du selbst. Größere Flächen oder Schimmel, der immer wiederkommt, gehören in die Hand einer Fachfirma. Dahinter steckt dann oft ein Feuchteproblem, das Heizen und Lüften allein nicht löst.

Welche Farbe fürs Bad?

Latex- oder Feuchtraumfarbe. Sie ist abwaschbar und schimmelresistent, im Bad ist das zwingend.

Was bringt eine Sperrgrundierung?

Sie wirkt wie eine Isolierschicht. Wasserränder, Nikotin- und Stockflecken kommen danach nicht mehr durch den neuen Anstrich.

Vlies oder Papier für den Einstieg?

Vliestapete. Sie ist atmungsaktiv, reißt nicht so leicht und lässt sich verzeihender anbringen. Den Kleister trägst du dabei auf die Wand auf, nicht auf die Tapete.

Wer nach dem Streichen die Leisten erneuern will, findet das in Kapitel 12. Für Befestigungen an der frisch gestrichenen Wand lohnt Kapitel 10, und die Schutzregeln beim Schleifen stehen in Kapitel 3.

Weiterblättern

Buchcover „Selbst gemacht – Das Profi-Handwerksbuch für dein Zuhause“ von Maik Marx
Das Buch bestellen

Selbst gemacht – als Taschenbuch oder E-Book

19,99 €Taschenbuch · 155 Seiten · 17 × 24,4 cm
Taschenbuch bei Amazon (öffnet ein neues Fenster)
9,99 €Kindle-E-Book · mit allen Illustrationen
E-Book bei Amazon (öffnet ein neues Fenster)

Preise inklusive Mehrwertsteuer. Verkauf und Versand über Amazon. ISBN Taschenbuch 979-8-1673-5623-8.