Balkonkraftwerk: einfach anstecken, sauber anmelden
Eine kleine Solaranlage auf dem Balkon oder der Terrasse kannst du selbst aufstellen. Das Prinzip ist einfach. Heikel wird es bei der Befestigung, bei der Elektrik und bei der Rechtslage.
Auf einen Blick
- Schwierigkeit
- 2 von 5
- Zeitaufwand
- ein Nachmittag für Montage und Anschluss, dazu die Anmeldung
- Kosten
- je nach Set und Halterung, vor dem Kauf Angebote vergleichen
- Werkzeug
- Akkuschrauber, Schraubenschlüssel, Wasserwaage, bei Wandbefestigung Bohrhammer und Dübel
- Fachbetrieb nötig
- nein für Aufstellung und Anmeldung, ja für eine fest installierte Einspeisesteckdose

Einfach aufgestellt, trotzdem gemeldet
Ein Balkonkraftwerk erzeugt Strom aus Sonnenlicht. Die Module liefern den Gleichstrom, ein Wechselrichter macht daraus Haushaltsstrom, und ein Kabel mit Stecker speist ihn in dein Hausnetz ein. Was du dort direkt verbrauchst, musst du nicht zukaufen. Das klingt nach einem Projekt für einen Nachmittag, und mechanisch ist es das auch.
Oft schiefgeht die Stelle, die man nicht sieht. Eine Befestigung, die für Windlasten nicht ausgelegt ist, oder eine alte Steckdose, die das Gerät nicht verträgt, sind keine Kleinigkeiten. Dazu kommt die Rechtslage. Die Anmeldung ist schnell erledigt, aber sie gehört dazu, und die Zustimmung von Vermieter oder Eigentümergemeinschaft solltest du vor der Montage einholen.
Was du kaufst
Bei den Modulen zählt die Leistung nur, solange Platz und Befestigung passen. Miss den Platz genau aus und prüfe das Datenblatt, bevor du bestellst. Module sind groß und schwer. Achte außerdem auf die Leistungsgarantie. Dunkle Module wirken am Geländer dezenter, die Technik ist dadurch aber nicht automatisch besser.
Beim Wechselrichter vergleichst du die Herstellergarantie, nicht nur den Preis. Achte im Datenblatt darauf, dass das Gerät VDE-zertifiziert ist.
Bei den Steckern kommen in Deutschland zwei Typen infrage. Der Schuko-Stecker passt in eine normale Haushaltssteckdose und ist für Heimwerker geeignet, wenn die Steckdose in Ordnung ist. Der Wieland-Stecker gehört zu einer festen Einspeisesteckdose, die ein eingetragener Elektrofachbetrieb einbaut, und ist nur nötig, wenn Versorger oder Vorgaben es verlangen.
Für die Befestigung gibt es drei Wege. Eine Klemme am Geländer passt an Balkone mit stabilem Geländer, vorher prüfst du Hausordnung und Vermieter. Ein Ständer eignet sich für Terrasse, Garten oder Flachdach, auf gemeinschaftlichen Flächen fragst du vorher nach. Die Wandbefestigung an der Fassade braucht immer die Zustimmung.
Ein Modul, ein Wechselrichter, eine Steckdose
Ein Balkonkraftwerk besteht aus drei Hauptbauteilen: den Modulen, dem Wechselrichter und dem Anschlusskabel mit Stecker. Optional gehört eine Halterung dazu. Wer die Anlage nach dem Aufbau betrachtet, sieht schnell, dass die Montage nur die halbe Arbeit ist. Den Rest macht die Vorbereitung.

Anmeldung und Zustimmung
Für ein Balkonkraftwerk brauchst du meist zwei Dinge: eine Anmeldung und, wenn du zur Miete wohnst oder in einer Eigentümergemeinschaft lebst, eine Zustimmung. Die Anmeldung erfolgt im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, nach der Inbetriebnahme. Für diese kleinen Anlagen ist die Registrierung stark vereinfacht und verlangt nur wenige Angaben. Eine Pflicht bleibt sie trotzdem. Die Bundesnetzagentur erklärt das Verfahren auf ihrer Seite zu Balkon-Solaranlagen.
Eine eigene Meldung beim Netzbetreiber entfällt für Steckersolargeräte innerhalb der Leistungsgrenzen, wenn der Strom unentgeltlich abgenommen wird, also ohne Einspeisevergütung. Willst du eine Einspeisevergütung, sprichst du den Netzbetreiber vorher an.
Im Mietrecht zählt ein Balkonkraftwerk zu den privilegierten Maßnahmen nach § 554 BGB. Mieter haben daher einen Anspruch auf Gestattung. Ob ein Vermieter im Einzelfall aus einem bestimmten Grund ablehnen darf, wird abgewogen. Lass dir die Zustimmung deshalb schriftlich geben, bevor du montierst.
In einer Eigentumswohnung gilt für die Gemeinschaft § 20 WEG. Frag die Verwaltung oder die Eigentümergemeinschaft und halte die Entscheidung schriftlich fest.
Standort, Befestigung und Kabel
Eine Südlage bringt in der Regel den meisten Ertrag. Ost- und Westlagen funktionieren ebenfalls, dann verschiebt sich die Stromerzeugung über den Tag. Prüfe die Verschattung durch Bäume, Markisen oder Nachbargebäude, denn auch Teilschatten senkt den Ertrag. Die Module befestigst du nach den Herstellerangaben. Bei der Geländerklemme fixierst du zuerst die Klemmen, dann setzt du das Modul ein und ziehst alle Schrauben fest. Der Wechselrichter gehört an eine Stelle, die belüftet ist und nicht in praller Sonne liegt.
Module haben bei Wind eine große Angriffsfläche. Eine lockere Befestigung kann sich bei Sturm lösen und wird dann zur Gefahr. Halte dich an die Windlast-Angaben des Herstellers, ziehe alle Schrauben fest und kontrolliere die Befestigung nach jedem Sturm. Wer auf dem Balkon oder an der Brüstung arbeitet, sichert sich außerdem gegen Absturz.
Die Verkabelung läuft über die mitgelieferten Kabel mit MC4-Steckern. Die Stecker rasten ein, und du trennst sie nie unter Last, also nie, wenn die Module Sonne bekommen. Das Anschlusskabel führst du ohne Knick zur Steckdose. Lass es nicht durch unbelüftete Kabelkanäle laufen, denn dort kann es sich aufheizen.
Die Steckdose entscheidet mit
Stecke das Gerät direkt in eine feste Steckdose, keine Mehrfachsteckdose. Prüfe vorher, ob die Steckdose unbeschädigt ist. Ab dem Moment, in dem der Stecker drinsteckt, speist die Anlage Strom ein, sobald die Sonne scheint. Danach kontrollierst du in der App oder am Wechselrichter, ob die Anlage Strom erzeugt.
Dem Sicherungskasten sieht man nicht an, ob der Stromkreis für ein Balkonkraftwerk passt. Ist die Steckdose alt oder bist du unsicher, lässt du sie vom Elektrofachbetrieb prüfen. Ob und wie dein Zähler auf die Einspeisung reagiert, hängt vom Zählertyp ab. Bei älteren Drehscheibenzählern kann er rückwärts laufen. Frag deinen Netzbetreiber, ob er den Zähler tauscht.
Was man vermeiden kann
- Befestigung zu knapp bemessen. Bei Sturm fliegen Module weg. Halte dich an die Windlast-Angaben und kontrolliere die Schrauben.
- Verschattung übersehen. Ein Schatten am Nachmittag kann die Tagesproduktion stark senken. Prüfe den Schattenwurf vor der Montage.
- Anmeldung vergessen. Die Registrierung im Marktstammdatenregister ist Pflicht. Welche Folgen ein Verstoß hat, klärt die Bundesnetzagentur.
- Leistung über der Grenze. Liegt die Wechselrichterleistung über 800 VA oder die Modulleistung über 2.000 Wp, gelten nicht mehr die vereinfachten Regeln. Kläre das vorher mit dem Netzbetreiber.
- Steckdose nicht geprüft. Eine alte oder überlastete Steckdose ist kein geeigneter Anschluss.
Ein typisches Beispiel: Eine Anlage auf einem Nordbalkon, dazu eine Verschattung durch ein Nachbargebäude, lieferte im Sommer deutlich weniger Strom als erwartet. Auf einem freien Südbalkon wäre das Ergebnis viel besser gewesen. Der Standort entscheidet mehr als die Modulauswahl.
Aus dem Kapitel
Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Solaranlage, die du selbst auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten aufstellen kannst. Die Module erzeugen Strom aus Sonnenlicht, ein Wechselrichter macht daraus Haushaltsstrom, und ein Kabel mit Stecker speist ihn in dein Hausnetz ein. Was du dort direkt verbrauchst, musst du nicht zukaufen.
Das Prinzip ist einfach. Heikel wird es an drei Stellen: bei der Befestigung, bei der Elektrik und bei der Rechtslage. Dieses Kapitel führt dich durch alle drei.
Schritt 1: Anmeldung und Zustimmung
Für ein Balkonkraftwerk brauchst du meist zwei Dinge: eine Anmeldung und, wenn du zur Miete wohnst oder in einer Eigentümergemeinschaft lebst, eine Zustimmung. Die Anmeldung ist schnell erledigt. Die Zustimmung solltest du vor der Montage einholen, denn sonst kann sie dich später teuer zu stehen kommen.
Eine eigene Meldung beim Netzbetreiber ist also für ein Balkonkraftwerk ohne Einspeisevergütung nicht mehr nötig. Die Registrierung im Marktstammdatenregister bleibt dagegen Pflicht.
Fragen zu diesem Kapitel
Brauche ich eine Anmeldung für mein Balkonkraftwerk?
Ja. Die Anlage wird im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert. Für Steckersolargeräte ist das stark vereinfacht. Eine separate Meldung beim Netzbetreiber entfällt innerhalb der Leistungsgrenzen, wenn der Strom ohne Einspeisevergütung abgenommen wird. Die Bundesnetzagentur erklärt das Verfahren auf ihrer Seite zu Balkon-Solaranlagen.
Darf ich als Mieter ein Balkonkraftwerk anbringen?
Du hast nach § 554 BGB einen Anspruch auf Gestattung. Der Vermieter darf nur ablehnen, wenn ihm die Maßnahme auch unter Abwägung deiner Interessen nicht zugemutet werden kann. Hol die Zustimmung schriftlich ein, bevor du montierst. Das ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Was ist in einer Eigentumswohnung zu beachten?
Für die Gemeinschaft gilt § 20 WEG. Frag die Verwaltung oder die Eigentümergemeinschaft, halte die Entscheidung schriftlich fest und kläre die Befestigung, bevor du bohrst. Mehr Antworten zum Buch findest du auf der Seite Häufige Fragen.
Welche Steckdose darf ich nehmen?
Eine feste Haushaltssteckdose, die unbeschädigt ist, ohne Mehrfachsteckdose dazwischen. Ist sie alt oder bist du unsicher, lässt du sie vom Elektrofachbetrieb prüfen. Die feste Einspeisesteckdose für den Wieland-Stecker baut nur ein eingetragener Elektrofachbetrieb ein.
Muss der Stromzähler getauscht werden?
Das hängt vom Zählertyp ab. Bei älteren Drehscheibenzählern kann der Zähler rückwärts laufen. Frag deinen Netzbetreiber, ob er den Zähler tauscht. Die Entscheidung liegt nicht bei dir.
Was zusammenpasst
Die Befestigung an Wand oder Brüstung hängt an der Dübelkunde aus Kapitel 10. Wie Strom im Haus sicher bleibt, erklärt Kapitel 18 zum Brandschutz, denn auch dort geht es um Steckdosen und Verlängerungen. Die Schutzausrüstung für Arbeiten in der Höhe steht in Kapitel 3.
Weiter im Buch

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