Selbst machen oder Profi holen? Drei Fragen, eine Entscheidung
Du machst eine Arbeit selbst, wenn sie für dich sicher machbar ist, rechtlich nicht einem Fachbetrieb vorbehalten bleibt und sich der Eigenbau auch wirklich lohnt. Spricht auch nur eine der drei Fragen dagegen, rufst du jemanden an.
Die Illustrationen in diesem Artikel sind KI-generiert.
Fast jeder Heimwerker kennt den Moment: Der Schrank steht schief, die Steckdose wackelt, an der Wand ist ein Riss, der vorher nicht da war. Dann stellt sich die Frage, ob man weitermacht oder jemanden anruft. Die Antwort fällt oft aus dem Bauch heraus, und genau darin liegt das Problem.
Kapitel 1 von „Selbst gemacht“ ersetzt das Bauchgefühl durch drei Kriterien. Sie sind nicht kompliziert, aber sie zwingen dich, ehrlich hinzuschauen. Dieser Artikel geht sie einzeln durch, mit Beispielen aus dem Alltag, wie sie in fast jeder Wohnung und jedem Haus vorkommen.
- Frage 1, Sicherheit: Kann dabei jemand ernsthaft zu Schaden kommen?
- Frage 2, Recht und Versicherung: Schreibt eine Vorschrift einen Fachbetrieb vor?
- Frage 3, Wirtschaftlichkeit: Lohnt sich der Eigenbau, wenn du Werkzeug, Lernkurve und Zeit ehrlich einrechnest?
Ein Nein bei einer Frage reicht. Dann holst du dir einen Fachbetrieb, egal wie gut du sonst mit dem Akkuschrauber umgehst.
Frage eins: Ist es sicher?
Die erste Frage zielt auf das, was wirklich gefährlich ist. Gemeint sind nicht der aufgeschürfte Finger und der blaue Daumen, die passieren jedem einmal. Gemeint sind Dinge, die dich ins Krankenhaus bringen können: ein Stromschlag durch falsch verlegte Leitungen, ein Sturz aus großer Höhe, eine beschädigte tragende Wand, ein Brand, weil Kabel falsch durch eine Brandschutzwand geführt wurden, oder Schadstoffe wie Asbest, alte Mineralwolle und Lösungsmittel.
Die Frage, die du dir stellen solltest, lautet: Kann dabei jemand ernsthaft zu Schaden kommen? Gemeint ist nicht nur du. Auch wer im Haushalt wohnt oder gerade mithilft, gehört dazu. Wenn die Antwort Ja lautet, machst du es nicht selbst.
Ein Test hilft dabei. Stell dir vor, du machst die Arbeit dreimal. Beim dritten Mal rutscht dir ein Fehler durch. Kann dann ich oder jemand aus meinem Haushalt dauerhaft Schaden nehmen? Wenn du ehrlich mit Ja antwortest, lässt du die Finger davon, egal was der Fachbetrieb kostet.
Ein paar Beispiele zur Einordnung. Eine Innentür ohne tragende Funktion zu tauschen, ist in der Regel unkritisch, eine Holzlatte zuzuschneiden genauso. Bei einer Außentür mit Sicherheitsschloss und Einbruchschutz fällt die Antwort meist eher Ja aus. In eine Wand zu bohren, ohne zu wissen, wo Leitungen liegen, ist ein klares Ja zur Gefahr. Solarmodule oder Dachfenster auf dem Dach zu montieren, gehört eindeutig in fremde Hände.
Kein gesparter Handwerkerlohn gleicht einen bleibenden Gesundheitsschaden aus.Maik Marx, „Selbst gemacht“, Kapitel 1
Frage zwei: Ist es erlaubt?
Das ist die Frage, die am meisten unterschätzt wird. In Deutschland legen verschiedene Vorschriften fest, welche Arbeiten ein eingetragener Fachbetrieb ausführen muss. Wer sie ignoriert, zahlt manchmal drauf, selbst wenn alles gut gegangen ist. Ein typisches Beispiel: Beim Verkauf des Hauses fällt Jahre später auf, dass an der Gas- oder Elektroinstallation in Eigenregie gearbeitet wurde. Aus einer kleinen Ersparnis wird dann eine große Diskussion.
Typische Bereiche, in denen ein Fachbetrieb vorgeschrieben ist, sind diese:
- Elektrik. Nach der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV, § 13) dürfen Arbeiten an der elektrischen Anlage hinter der Hausanschlusssicherung grundsätzlich nur Betriebe ausführen, die im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen sind. Neue Stromkreise, Arbeiten am Sicherungskasten und Änderungen an der festen Hausinstallation gehören deshalb dem Elektrobetrieb. Ob schon der Austausch einer bestehenden Steckdose dazugehört, ist rechtlich umstritten. Im Zweifel fragst du den Elektriker.
- Gas und Heizung. Gasleitungen und Heizungsanlagen veränderst du nicht selbst. Dafür brauchst du einen eingetragenen Fachbetrieb.
- Trinkwasser. Nach der AVBWasserV (§ 12) dürfen Trinkwasseranlagen nur eingetragene Installationsunternehmen errichten oder wesentlich verändern. Kleine Instandhaltungen, etwa einen Wasserhahn tauschen, sind davon in der Regel nicht betroffen.
- Photovoltaik. Ein steckerfertiges Balkonkraftwerk kannst du selbst aufstellen und anmelden, Kapitel 17 erklärt, was du dafür selbst anschließen und anmelden kannst. Eine Aufdachanlage schließt eine Elektrofachkraft an das Hausnetz an.
- Brandschutz. Eine zugelassene Brandschutztür muss genau nach ihrer Zulassung eingebaut werden, sonst kann die Zulassung erlöschen.
Dazu kommt die Versicherung. Ob deine Wohngebäude- oder Hausratversicherung bei einem Schaden aus Eigenleistung zahlt, hängt von deinem Vertrag und vom Einzelfall ab. Frag vorher schriftlich nach, zum Beispiel so: Wenn ich diese Arbeit selbst mache und es entsteht ein Schaden, sind Sie dann eintrittspflichtig? Verlangt die Versicherung einen Fachbetrieb mit Rechnung, halte dich daran und bewahre die Rechnung gut auf. Manche Schäden zeigen sich erst Jahre später.

Frage drei: Lohnt es sich?
Hier belügen wir Heimwerker uns gern selbst. Fällt eine Aufgabe nur einmal im Leben an, sind Werkzeug, Material in guter Qualität und die eigene Lernkurve oft teurer als der Fachbetrieb. Und eine Gewährleistung hast du bei Eigenleistung auch nicht.
Auf der anderen Seite steht der Stundenlohn. Handwerkerstunden kosten je nach Gewerk und Region oft 60 bis 90 Euro netto plus Anfahrt (Richtwert, Stand 2026). Wer wegen einer einzelnen Schraube am Hängeschrank jemanden kommen lässt, zahlt schnell 200 Euro für etwas, das er in einer Minute selbst erledigt hätte. Eine solide Werkzeugkiste für rund 150 Euro hat sich da schnell bezahlt gemacht. Die Rechnung geht also nur auf, wenn du die Aufgabe und das Werkzeug zusammen betrachtest.
Ein Vergleich aus dem Buch zeigt, wie das aussieht. Echtholz-Parkett und Laminat brauchen fast dasselbe Werkzeug und fast dieselbe Tätigkeit, und trotzdem ist die Rechnung eine andere. Für Parkett braucht es eine Tauchsäge mit Führungsschiene und weiteres Spezialwerkzeug, grob rund 400 Euro. Die Lernkurve ist groß, und Fehler sieht man sofort. Laminat verzeiht Anfängerfehler, und das Zubehör kostet grob rund 70 Euro. Fazit des Vergleichs: Bei Parkett eher Fachbetrieb, bei Laminat lohnt sich der Eigenbau meist.
- Wie oft mache ich diese Arbeit im Leben? Einmal: eher Fachbetrieb. Öfter: Der Werkzeugkauf lohnt sich.
- Wie groß ist die Lernkurve bis zu einem guten Ergebnis? Klein: selbst. Riesig: Fachbetrieb.
- Was ist meine Zeit gerade wert? Wer neben Beruf und Familie kaum Luft hat, sollte nicht bis Mitternacht auf einer Baustelle stehen.
Vier typische Fälle
Die drei Fragen sind keine Theorie. Gute Heimwerker, Bauleiter und Handwerker wenden sie ständig an. Die folgenden Fälle sind erfundene typische Beispiele, wie sie im Handwerksalltag immer wieder vorkommen.
Die Teichbrücke
Ein erfahrener Heimwerker hat sein Haus über viele Jahre Stück für Stück selbst ausgebaut und eine gut ausgestattete Werkstatt im Keller. Er plant einen Gartenteich mit einer Holzbrücke. Den Aushub schafft er allein. An der Brücke kommt er jedoch nicht weiter: Sein Werkzeug reicht nicht, die Lernkurve für eine dauerhaft wetterfeste Holzkonstruktion ist groß, und das offene Loch im Garten macht Druck. Er beauftragt einen Fachbetrieb für Brücke und Verkleidung. Entschieden hat hier die Wirtschaftlichkeit: Aushub selbst, Brücke Fachbetrieb.
Der Hängeschrank
Ein Küchenhängeschrank fällt von der Wand direkt auf das Kochfeld. Glas zerbrochen, Wand beschädigt, Schrank kaputt. Befestigt war er mit Dübeln, die weder zum Untergrund noch zur Last eines vollen Schranks passten. Gespart wurde vielleicht der Montagelohn von 100 Euro. Bezahlt werden müssen ein neues Kochfeld, ein neuer Schrank und die Reparatur der Wand, ein Vielfaches davon. Hier wurde die erste Frage übersehen. Wie du Dübel richtig auswählst, steht in Kapitel 10.
Die Photovoltaikanlage
Ein Hausbesitzer lässt Solarmodule fachgerecht vom Dachdecker montieren und möchte danach die Leitungen selbst in die Verteilung führen. Genau hier endet das Selbermachen. Der Anschluss ans Hausnetz gehört in die Hände eines eingetragenen Elektrofachbetriebs. Er prüft den Versicherungsvertrag und beauftragt einen Elektrobetrieb mit Anschluss und Inbetriebnahme. Danach hat er ein Inbetriebnahmeprotokoll und Klarheit gegenüber Netzbetreiber und Versicherung. Entschieden hat hier die zweite Frage.
Die Glasfassade
Großflächige Verglasungen an Gebäuden brauchen Gerüst, Hebetechnik, Vakuumsauger und ein eingespieltes Team. Auf die Idee, so etwas selbst zu machen, kommt niemand. Das Beispiel zeigt aber auch: Niemand hält dich für unfähig. Du kannst sehr viel, nur nicht das, was Spezialtechnik und industrielle Größenordnung verlangt. Und das ist in Ordnung.
Die Selbst-oder-Profi-Liste
Diese Liste ersetzt keine Prüfung im Einzelfall. Sie gibt dir eine Orientierung, wo die Grenzen in der Regel liegen.
In der Regel selbst machbar, mit der Anleitung aus dem Buch
- Möbel aufbauen und gegen Kippen sichern
- Innentür aushängen, abschleifen und neu lackieren
- Tapete entfernen und neu tapezieren
- Wände streichen
- Laminat oder Vinyl verlegen
- Sockelleisten anbringen
- Hängeschrank montieren, wenn du Wand, Leitungen und Last vorher prüfst
- Wasserhahn tauschen
- Silikonfugen im Bad erneuern
- Rollladengurt wechseln
- Fliegengitter anbringen
Immer Fachbetrieb
- Tragende Wände beurteilen oder verändern, Stützen entfernen oder versetzen
- Arbeiten an der festen Elektroinstallation, am Sicherungskasten, neue Stromkreise
- Heizungsanlage und Gasleitungen
- Arbeiten auf dem Dach, etwa Dachfenster oder Solarmodule
- Brandschutztüren montieren
- Photovoltaik-Aufdachanlage an das Hausnetz anschließen
- Asbest, alte Mineralwolle, PCB oder Blei entfernen
Dazwischen liegt eine ehrliche Entscheidung nach Können, Werkzeug und Verfassung. Eine nichttragende Trockenbauwand ist mit einem freien Wochenende und dem Akkuschrauber machbar, nicht aber mit einem frischen Bandscheibenvorfall. Die Leitungen darin legt der Elektrobetrieb, mehr dazu in Kapitel 13.
Fazit: Entscheide nach den drei Fragen, nicht nach dem Ehrgeiz
Die Entscheidung passt in einen Satz: Wenn Sicherheit, Recht und Wirtschaftlichkeit grünes Licht geben, machst du es selbst. Spricht auch nur eines der drei Kriterien dagegen, beauftragst du einen Fachbetrieb. Dieser Maßstab entscheidet, nicht der Ehrgeiz.
„Dieses Buch soll das ändern. Du sollst nach dem Lesen mit gutem Gefühl zum Akkuschrauber greifen, deine Wohnung schöner machen, Geld sparen – und genau wissen, wann du besser jemanden anrufst.“
Aus dem Vorwort zu „Selbst gemacht“
Die Grundlagen in „Selbst gemacht“
Die drei Kriterien stehen ausführlich in Kapitel 1: Wann selber, wann Profi?. Wer danach die Ausrüstung plant, liest Kapitel 2 zur Werkzeug-Grundausstattung. Wie du dich bei jeder Arbeit schützt, steht in Kapitel 3. Alles zum Buch, zur Leseprobe und zum Aufbau findest du auf der Seite Das Buch.
Kurz beantwortet
Darf ich als Mieter selbst streichen oder bohren?
Das hängt vom Mietvertrag und vom Einzelfall ab. Bevor du in die Substanz der Wohnung eingreifst, frag im Zweifel den Vermieter. Dieser Artikel kann das für deinen Vertrag nicht entscheiden.
Muss ich jede Arbeit an Strom oder Heizung abgeben?
Nicht jede Kleinigkeit gehört einem Fachbetrieb. Arbeiten an der festen Elektroinstallation, am Sicherungskasten, an Gasleitungen und an der Heizungsanlage aber schon. Ob der Austausch einer bestehenden Steckdose dazugehört, ist rechtlich umstritten. Im Zweifel fragst du den Elektriker.
Zahlt die Versicherung, wenn ich selbst gearbeitet habe?
Das hängt von deinem Vertrag und vom Einzelfall ab. Frag deine Versicherung vor dem Projekt schriftlich, ob sie bei einem Schaden aus Eigenleistung eintrittspflichtig ist. Verlangt sie einen Fachbetrieb mit Rechnung, halte dich daran.
Was tue ich, wenn das Projekt mitten in der Arbeit zu groß wird?
Dann hörst du auf, sicherst die Baustelle und holst dir ein schriftliches Angebot für den Teil, der über deine Grenze hinausgeht. Die erste Frage gilt auch dann: Wer unsicher ist, ruft jemanden an.
Ist ein Balkonkraftwerk eine Sache für den Fachbetrieb?
Ein steckerfertiges Balkonkraftwerk kannst du selbst aufstellen und anmelden. Kapitel 17 erklärt, was du dafür selbst anschließen und anmelden kannst. Eine Aufdachanlage dagegen schließt eine Elektrofachkraft an das Hausnetz an.
Im Blog geht es weiter

Quellen und Belege
- „Selbst gemacht“, Kapitel 1: Wann selber, wann Profi?
- Niederspannungsanschlussverordnung (NAV), § 13
- AVBWasserV, § 12
- „Selbst gemacht“, Kapitel 17: Balkonkraftwerk
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und vom Autor geprüft. Illustrationen KI-generiert.
Allgemeine Information, keine Fachberatung im Einzelfall.

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