Wann selber, wann Profi?
Bevor du die erste Schraube drehst, kommt eine Frage vor der Werkzeugkiste: Was machst du selbst, und wo holst du besser einen Fachbetrieb? Dieses Kapitel gibt dir drei Kriterien, mit denen du jedes Vorhaben einordnest.
Auf einen Blick
- Leitfragen
- Sicherheit, Versicherung und Recht, Wirtschaftlichkeit
- Faustregel
- Spricht auch nur ein Kriterium dagegen, beauftragst du einen Fachbetrieb
- Handwerkerstunde
- 60 bis 90 Euro netto plus Anfahrt (Richtwert, Stand 2026)
- Werkzeugkiste
- Eine solide Kiste für rund 150 Euro
- Typische Fälle
- Vier, von der Teichbrücke bis zur Glasfassade

Zu viel oder zu wenig zutrauen
Die meisten Fehlentscheidungen beim Heimwerken haben denselben Ursprung: Man entscheidet aus dem Bauch heraus.
Zu Hause wirkt fast jede Arbeit überschaubar. Die Bohrmaschine liegt in der Hand, ein Video hat es vorgemacht, und ein paar Schrauben werden schon halten. Genau dieses Gefühl ist der Grund, warum Projekte schiefgehen. Man unterschätzt, was hinter einer Wand, unter einem Bodenbelag oder im Sicherungskasten steckt, und man unterschätzt, was ein Schaden danach kostet.
Dabei gibt es zwei gegensätzliche Fehler. Der erste ist das Zu-viel-Zutrauen: Wer die Statik einer Wand beurteilen oder eine Photovoltaikanlage selbst ans Hausnetz klemmen will, spart vielleicht heute Geld. Später kommen Rückbau, Nachbesserung und Ärger mit der Versicherung. Im schlimmsten Fall kommt ein Brand dazu.
Der zweite Fehler ist das Zu-wenig-Zutrauen. Wer für jeden lockeren Türgriff und jeden Möbelaufbau einen Handwerker holt, zahlt je nach Gewerk und Region oft 60 bis 90 Euro netto pro Stunde, dazu die Anfahrt. Schon eine einzige Schraube am Hängeschrank kann so schnell 200 Euro kosten, obwohl man sie in einer Minute selbst gesetzt hätte.
Dieses Kapitel setzt genau dazwischen an. Es sortiert nicht nach Mut oder Bequemlichkeit, sondern nach drei Fragen, die du bei jedem Vorhaben stellen kannst.
Was du in diesem Kapitel lernst
- die drei Kriterien Sicherheit, Versicherung und Recht sowie Wirtschaftlichkeit auf jedes Vorhaben anwenden,
- Arbeiten erkennen, bei denen ein einziger Fehler jemanden dauerhaft verletzen kann,
- verstehen, warum Strom, Gas, Heizung und größere Eingriffe in die Trinkwasseranlage in die Hände eingetragener Betriebe gehören,
- deine Versicherung und gegebenenfalls deinen Vermieter vor dem Start schriftlich fragen,
- eine Arbeit ehrlich durchrechnen: wie oft du sie machst, wie steil die Lernkurve ist und was deine Zeit wert ist,
- die vier typischen Fälle Teichbrücke, Hängeschrank, Photovoltaik und Glasfassade einordnen,
- deine eigene Liste mit Arbeiten für dich, Arbeiten dazwischen und Arbeiten für den Fachbetrieb erstellen.
Ist es sicher? Ist es erlaubt? Lohnt es sich?
Ist es sicher?
Die erste Frage ist die wichtigste. Gemeint sind nicht der aufgeschürfte Finger oder der blaue Daumen, die passieren jedem einmal. Gemeint sind Arbeiten, bei denen du oder jemand aus deinem Haushalt ernsthaft verletzt werden kannst: ein Stromschlag durch falsch angeschlossene Leitungen, ein Sturz bei Arbeiten auf dem Dach, eine beschädigte tragende Wand, ein Brand durch falsch geführte Kabel oder ein Gesundheitsschaden durch Asbest, alte Mineralwolle oder Lösungsmittel.
Eine Probe für die Einordnung: Stell dir vor, du machst diese Arbeit dreimal, und beim dritten Mal rutscht dir ein Fehler durch. Kann dann du oder jemand aus deinem Haushalt dauerhaft Schaden nehmen? Lautet die ehrliche Antwort Ja, lässt du die Finger davon, egal, was der Fachbetrieb kostet. Kein gesparter Handwerkerlohn wiegt einen bleibenden Gesundheitsschaden auf.
Ist es erlaubt?
Das ist das am meisten unterschätzte Thema. In Deutschland legen verschiedene Vorschriften fest, welche Arbeiten ein eingetragener Fachbetrieb ausführen muss. Hinter dem Hausanschluss dürfen Arbeiten an der elektrischen Anlage grundsätzlich nur Betriebe ausführen, die im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers stehen. Gas und Heizung veränderst du ebenfalls nicht selbst.
Auch die Versicherung gehört zu dieser Frage. Ob deine Wohngebäude- oder Hausratversicherung bei einem Schaden aus Eigenleistung zahlt, hängt von deinem Vertrag und vom Einzelfall ab. Frag deshalb schriftlich nach, bevor du anfängst. Verlangt die Versicherung einen Fachbetrieb mit Rechnung, halte dich daran und bewahre die Rechnung gut auf. Manche Schäden zeigen sich erst Jahre später.
In Mietwohnungen kommt der Vermieter dazu, in Eigentumswohnungen Hausordnung oder Teilungserklärung. Dieses Buch gibt allgemeine Informationen. Für deinen Einzelfall gilt: im Zweifel nachfragen.
Lohnt es sich?
Hier belügen Heimwerker sich gern selbst. Fällt eine Aufgabe nur einmal im Leben an, sind Werkzeug, gutes Material und die eigene Lernkurve oft teurer als der Fachbetrieb. Und eine Gewährleistung hast du bei Eigenleistung nicht.
Ein Vergleich macht das deutlich: Für 25 Quadratmeter Echtholzparkett braucht man Spezialwerkzeug für rund 400 Euro und einen Fachbetrieb für etwa einen Tag, ein Heimwerker sitzt zwei bis drei Tage daran. Für Laminat reichen rund 70 Euro Werkzeug, und das Material verzeiht Anfängerfehler. Fast das gleiche Werkzeug, fast die gleiche Tätigkeit, und trotzdem eine völlig andere Rechnung.
Drei Fragen helfen dabei: Wie oft mache ich diese Arbeit im Leben? Wie groß ist die Lernkurve bis zu einem guten Ergebnis? Was ist meine Zeit gerade wert? Wer neben Beruf und Familie kaum Luft hat, erholt sich nicht, wenn die Baustelle bis Mitternacht läuft.
Vier typische Fälle
Die folgenden Fälle sind erfundene, typische Beispiele aus dem Handwerksalltag. An ihnen erkennst du die drei Kriterien wieder.
Die Teichbrücke
Ein erfahrener Heimwerker plant einen Gartenteich mit Holzbrücke. Den Aushub schafft er allein, denn das ist weder ein Sicherheits- noch ein Rechtsthema. An der Brücke kommt er nicht weiter: Eine dauerhaft wetterfeste Holzkonstruktion hat eine große Lernkurve, und das offene Loch im Garten macht Druck. Er beauftragt einen Fachbetrieb für Brücke und Verkleidung. Aushub selbst, Brücke Fachbetrieb.
Der Hängeschrank
Ein Küchenhängeschrank fällt von der Wand direkt auf das Kochfeld. Die Dübel passten weder zum Untergrund noch zur Last eines vollen Schranks. Gespart wurden vielleicht 100 Euro Montagelohn, bezahlt wurden ein neues Kochfeld, ein neuer Schrank und die Wandreparatur, ein Vielfaches davon. Hier hat das Sicherheitskriterium gefehlt. Wie du Dübel richtig auswählst, steht im Dübel-Kapitel.
Die Photovoltaikanlage
Solarmodule hat ein Dachdecker fachgerecht auf das Dach montieren lassen. Nun will der Hausbesitzer die Leitungen selbst in die Verteilung führen. Hier ist die Grenze erreicht: Der Anschluss ans Hausnetz gehört einem eingetragenen Elektrofachbetrieb. Er prüft zuerst den Versicherungsvertrag, beauftragt dann Anschluss und Inbetriebnahme und hat danach ein Protokoll in der Hand. Das zweite Kriterium zieht die Grenze.
Die Glasfassade
Großflächige Verglasungen brauchen Gerüst, Hebetechnik, Vakuumsauger und ein eingespieltes Team. Auf die Idee, so etwas selbst zu machen, kommt kaum jemand. Das Beispiel zeigt aber auch: Niemand hält dich für unfähig. Du kannst sehr viel, nur nicht das, was Spezialtechnik und industrielle Größenordnung verlangt. Und das ist in Ordnung.
Deine Selbst-oder-Profi-Liste
In der Regel selbst
- Möbel aufbauen und gegen Kippen sichern
- Innentür aushängen, abschleifen, neu lackieren
- Tapete entfernen und neu tapezieren
- Wände streichen
- Laminat oder Vinyl verlegen
- Sockelleisten anbringen
- Hängeschrank montieren, wenn du Wand, Leitungen und Last vorher prüfst
- Wasserhahn tauschen
- Silikonfugen im Bad erneuern
- Rollladengurt wechseln
Immer Fachbetrieb
- Tragende Wände beurteilen oder verändern
- Arbeiten an der festen Elektroinstallation, am Sicherungskasten, neue Stromkreise
- Heizungsanlage und Gasleitungen
- Arbeiten auf dem Dach, etwa Dachfenster oder Solarmodule
- Brandschutztüren montieren
- Photovoltaik-Aufdachanlage ans Hausnetz anschließen
- Asbest, alte Mineralwolle, PCB oder Blei entfernen
Dazwischen
Hier entscheidest du ehrlich nach Können, Werkzeug und Verfassung.
Nichttragende Trockenbauwand: machbar mit freiem Wochenende und Akkuschrauber, nicht mit frischem Bandscheibenvorfall. Die Leitungen darin legt der Elektrobetrieb.
Bodenbelag im Altbau: machbar, wenn Belag und Kleber frei von Schadstoffen sind. Im Zweifel vorher prüfen lassen.
Die Grenze
Die rote Linie verläuft bei Strom, Gas, Heizung und tragenden Wänden. Dazu kommen Dacharbeiten, Asbest und andere Schadstoffe. Dort endet Selbermachen, auch wenn der Fachbetrieb teuer ist.
Aus dem Kapitel
Bevor wir die erste Schraube drehen, klären wir die wichtigste Frage dieses Buches: Was machst du als Privatperson selbst – und wo holst du dir besser einen Fachbetrieb?
Diese Frage entscheidet bei jedem Projekt zu Hause, ob es ein Erfolg wird oder ob du am Ende mehr Geld, Zeit und Nerven verlierst als nötig. In diesem Kapitel bekommst du drei klare Kriterien, mit denen du jedes Vorhaben einsortieren kannst, und vier typische Fälle, an denen du sie wiedererkennst.
Es gibt einen Korridor
Es gibt nicht den Heimwerker, der alles kann, und nicht den, der gar nichts kann. Es gibt einen Korridor. Innerhalb dieses Korridors legst du selbst Hand an und sparst richtig Geld. Darüber und darunter beauftragst du besser einen Fachbetrieb.
Zu viel zutrauen. Manche wollen nach ein paar Videos die Statik einer tragenden Wand beurteilen, Stromleitungen umverlegen oder eine Photovoltaikanlage selbst ans Hausnetz klemmen. Das geht eine Weile gut, manchmal jahrelang – bis ein Schaden eintritt. Dann wird es teuer: Rückbau, Nachbesserung, Ärger mit der Versicherung, im schlimmsten Fall ein Brand.
Fragen zu diesem Kapitel
Was tun, wenn ich unsicher bin?
Dann ist es eine Sache für den Fachbetrieb. Bei Strom, Gas, Statik, Dacharbeiten und Schadstoffen gilt immer: Fachbetrieb. Das Buch gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine Fachberatung im Einzelfall.
Zahlt die Versicherung, wenn ich selbst gebaut habe?
Das hängt von deinem Vertrag und vom Einzelfall ab. Frag schriftlich nach, bevor du anfängst. Verlangt die Versicherung einen Fachbetrieb mit Rechnung, halte dich daran.
Lohnt sich Werkzeug für eine einmalige Arbeit?
Oft nicht. Fällt eine Aufgabe nur einmal im Leben an, sind Werkzeug, gutes Material und die eigene Lernkurve meist teurer als der Fachbetrieb. Dazu kommt: Bei Eigenleistung gibt es keine Gewährleistung.
Darf ich einen Wasserhahn selbst tauschen?
Ja. Kleine Instandhaltungen wie der Tausch eines Wasserhahns sind in der Regel nicht betroffen. Wesentliche Veränderungen an Trinkwasseranlagen dagegen dürfen nur eingetragene Installationsunternehmen vornehmen.
Und die Steckdose?
Ob der Tausch einer bestehenden Steckdose oder eines Schalters zur Fachsache zählt, ist rechtlich umstritten. Im Zweifel fragst du den Elektriker.
Wenn die Entscheidung steht, geht es weiter mit Kapitel 2 zur Werkzeugausstattung, Kapitel 3 zu Schutz und Sicherheit oder Kapitel 10 zu Dübeln.
Weiterblättern

Selbst gemacht – als Taschenbuch oder E-Book
Preise inklusive Mehrwertsteuer. Verkauf und Versand über Amazon. ISBN Taschenbuch 979-8-1673-5623-8.